Der Flügelaltar des "Meisters von Schöppingen"

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Berühmtestes Stück der Ausstattung der Kirche ist der gemalte Flügelaltar des ungenannten "Meisters von Schöppingen", eines der bedeutendsten Werke der spätgotischen Malerei Westfalens. Der "Meister von Schöppingen" verzichtete bei der Gestaltung des Flügelaltares auf die sonst üblichen Heiligengeschichten und konzentrierte sich auf den Kern der christlichen Verkündigung. Er fasst die beiden Hauptereignisse der Heilsgeschichte zu jeweils einer Ansicht zusammen: Die Menschwerdung (Verkündigung und Geburt) auf den Außenseiten der geschlossenen Altarflügel und die Erlösung (Leidensgeschichte, Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt, Geistsendung) auf Mitteltafel und Innenseiten der Altarflügel. Weil es sich jeweils um ein einziges "Ereignis" handelt, malte er die Szenen als erster nicht als Einzelbilder, sondern durchlaufend. Der Schöppinger Altar hat also keine Festtags- und Werktagsseite wie alle anderen Altarbilder seiner Zeit und vor ihm, sondern zwei Ansichten entsprechend dem Weihnachts- und Osterfestkreis.

Geschlossener Flügelaltar: WeihnachtsfestkreisIm Weihnachtskreis zeigen die geschlossenen Altarflügel die Menschwerdung Gottes in der Verkündigung und der Geburt Christi. Großartig die kompositionelle Lösung, wie der Maler die Bilder durch zwei gegenläufige Diagonalen verbindet! Sie verkünden das Geheimnis der Menschwerdung. Andererseits stehen sie in seltsamem Kontrast zueinander: Eine "Innenwelt" mit behaglicher Bürgerstube und eine kühle fast spröde "Außenwelt".
Für die Verkündigungsszene hat der Maler ein Bild des Meisters von Flemalle als Vorlage benutzt und umgestaltet. DasWeihnachtsbild hat der Maler ohne Vorlage selbstständig in bewusstem Kontrast zum Verkündigungsbild gestaltet. Ganz vorn liegt winzig klein auf bloßer Erde das nackte Jesuskind, angebetet von Maria und Josef sowie drei knieenden Engeln.

Mittelbild des geöffneten AltarsPassion und Auferstehung sind imOsterfestkreis auf dem Altarbild mit geöffneten Flügeln zu sehen: Aufgrund der Erlösung durch Christi Leiden, Tod und Auferstehung wird die ganze Menschheit und Welt aus der Todverfallenheit errettet und verklärt, sie wird Welt Gottes und Beginn der kommenden Herrlichkeit. Die 20 Szenen (5:10:5) spielen sich als fortlaufendes Ereignis vor dem Goldgrund der Ewigkeit ab.
Auf dem Mittelbild ist der Kreuzweg Jesu zu sehen. In der Mitte des Altarbildes ragt das Kreuz mit dem gekreuzigten Erlöser von der Erde bis zum Himmel empor. Zu Füßen des Kreuzes liegen Schädel und Knochen des alten Adam, der dem Tod verfallen ist. Mit Christus, dem neuen Adam, hat Gott den Menschen gleichsam neu geschaffen. Ein Reiterzug als Demonstration irdischer Macht bewegt sich quer über das Bild.

Auf dem linken Innenflügel sind folgende Szenen zu sehen: Es beginnt rechts oben mit dem Verrat des Judas und der Gefangennahme Jesu. Dem folgt die Dornenkrönung Jesu und Jesus an der Geißelsäule. Am linken Rand führt Pilatus Jesus dem Volke vor: "Ecce homo - welch ein Mensch!"(Joh 19,5). Rechts davon ist die Verurteilung zu sehen: Pilatus sitzt unter einem kleinen Bogen und wäscht seine Hände in Unschuld.
Die Innenseite des rechten Flügels zeigt den Gang der Frauen zum Grab Jesu am Ostermorgen, den Auferstandenen, die Begegnung mit Maria Magdalena, Christi Himmelfahrt und schließlich die Herabkunft des Heiligen Geistes am Pfingstfest - dem Geburtstag der Kirche.

Das Altarwerk in seiner Gesamtheit verkündet , was Gott in der Menschwerdung seines Sohnes und der Erlösung durch sein Kreuz und seine Auferstehung für uns getan hat. Es ist mehr als eine "biblia pauperum" in der Art einer illustrierten Bibel für die einfachen Menschen. Vielmehr ist es eine gemalte Predigt, die die Heilsereignisse verkündet und deutet. Und das in großer Erzählfreude mit Liebe zu dramatischer und dann auch wieder meditativ-lyrischer Gestaltung. Nicht in der künstlerischen Qualität, wohl aber in seiner theologischen Konzeption übertrifft der "Meister von Schöppingen" bei weitem alle anderen Meister der spätgotischen Malerei Westfalens. So erfüllt sein Hauptwerk in der Schöppinger Kirche heute wie vor über 500 Jahren seinen eigentlichen Zweck: Das Heilswirken Gottes an den Menschen zu verkünden und zu feiern.

 

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